Zunehmend häufig besteht bei Hunden eine Schilddrüsenunterfunktion, die sich auch im Verhalten bemerkbar macht.

Claudia Münning hat diesbezügl. das Wichtigste zusammengefasst:

 

 

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion

 

Die klassischen Symptome , die jeder Tierarzt erkennen müsste:

-schlechte Fellqualität

( auch : nackte Beine, nackter Bauch, dünne Ohrbehaarung, grosser nackter Nasenspiegel )

- Trägheit

- Fettleibigkeit

- "trauriges Gesicht"

 

Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere, unter Tierärzten oft weniger bekannte Symptome:

- Hibbeligkeit

- aggressives Verhalten

- Angstverhalten bis hin zur Panik

- nimmt trotz viel fressen nicht zu

- Ohrenentzündung , offene Ohrspitzen

- schlechte Wundheilung

- humpeln

- Herzprobleme

- schlechte Ansprechbarkeit im Training

- friert schnell

- hecheln in Ruhephasen ohne erkennbaren Grund ( Wärme, Stress,          Schmerzen etc. )

 

Alle diese Symptome können natürlich auch bei anderen Krankheiten auftreten, aber wenn mehrere dieser Symptome zusammentreffen und zum Teil sehr extrem heftig sind, lohnt es sich auf jeden Fall, die Schilddrüsenwerte des Hundes bestimmen zu lassen. Und sei es auch nur, um eine Schilddrüsenunterfunktion ausschliessen zu können und nach anderen Ursachen zu suchen.

 

Schilddrüsenüberfunktionen gibt es bei Hunden übrigens nur sehr sehr selten. Anders bei Katzen. Hier gibt es eher Schilddrüsenüberfunktion als Unterfunktion.

 

Welche Blutwerte brauche ich, um festzustellen, ob mein Hund eine SDU hat ?

 

T4 und TSH sind mindestens erforderlich, um den Verdacht , dass mit der Schilddrüse etwas nicht stimmt, zu bestätigen.

Sehr wichtig sind generell ein Organprofil und ein Blutbild, um evtl. andere Krankheiten ausschliessen zu können, die die Schilddrüsenwerte beeinflussen können. Ein Hinweis, welche Krankheiten in Frage kommen könnnen finden sich hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Euthyroid-Sick-Syndrom

 

Je nach Geldbeutel ist es sinnvoll, noch folgende Werte zu bestimmen:

-  fT4,T3,fT3, TAK

Diese sind weitere Werte , die einen Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse geben.

 

- Selen,Zink, Jod, Eisen

Wenn diese Werte einen deutlichen Mangel anzeigen, besteht die Gefahr, dass die Schilddrüse nicht korrekt arbeitet.

 

Ob der Hund zur Blutentnahme nüchtern sein muss oder nicht, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Wichtig ist, dass der Hund beim Organprofil und Blutbild nüchtern ist.

 

Bekommt der Hund bereits Thyroxin, sollte man das Blut ca. 4-6h nach der Tablettengabe abnehmen lassen. Bei nachfolgenden Blutuntersuchungen dann möglichst immer im gleichen Zeitraum, also z.B. nach 5 Stunden, wenn beim ersten Mal nach 5 Stunden Blut abgenommen wurde, damit die Werte vergleichbar sind.

 

Wie interpretiere ich die Laborwerte ?

 

Normalerweise interpretiert der Tierarzt die Werte.

 

Zu den Werten wird ein sogenannter Normalbereich angegeben. Als eine  Ober- und Untergrenze, bis zu der Werte als normal angesehen werden.

 

Bei den Schilddrüsenwerten hat sich herausgestellt, dass viele Hunde, deren Werte im unteren Bereich des Normalberichs liegen, trotzdem Probleme mit der Schilddrüse haben.

 

Als Faustregel für die meisten Hunde gilt: Der T4-Wert sollte in der oberen Hälfte des Normalbereichs liegen. Vor allem bei jungen Hunden sind niedrige Werte ein deutliches Anzeichen für eine Funktionsstörung der Schilddrüse. Es gibt aber auch Hunde, die mit niedrigeren Werten ohne Probleme gut klarkommen.

 

Beim Normalbereich für T4  von 1,0-4,7 ug/dl würde ich persönlich bei Werten deutlich unter 3,0 und Fellproblemen, Ohrenproblemen, und Verhaltensproblemen ( Angst,Aggression ) von einer Funktionsstörung der Schilddrüse ausgehen, die dringend behandelt werden muss, sofern keine andere Krankheiten diagnostizierbar sind, die niedrige Schilddrüsenwerte zur Folge haben.

 

Die hier genannten Werte und er Normalbereich beziehen sich auf das Labor vetmed. Bei andern Laboren können die Normalbereiche anders festgelegt sein und auch andere Einhaiten für T4 angegeben werden.

 

Beim TSH-Wert gilt: Ist er an der oberen Normalberichsgrenze oder sogar darüber, dann ist das ein sehr eindeutiges Zeichen, dass etwas mit der Schilddrüse nicht stimmt und dringend behandelt werden muss. Ist er normal, also deutlich unterhalb  der angegebenen Grenze, so ist der Wert nicht aussagekräftig, man kann dann daraus werder ableiten, dass alles in Ordnung ist , noch dass die Schilddrüse krank ist. Um das zu beurteilen, werden die anderen Werte , insbesondere T4 benötigt.

 

T4-Wert liegt gut in der Norm, T3-Wert zu niedrig

 

Dies kann ein Anzeichen dafür sein, dass eine andere Krankheit vorliegt, die die Schilddrüsenwerte beeinträchtigt, wie z.B. Leishmaniose aber auch andere Krankheitsprozesse . Es ist keinenfalls sinnvoll, in so einem Fall einfach T3 als Medikament zu geben ! Sinnvoll is eine genaue Diagnose und Behandlung der Krankheit, die die niedrigen T3 -Werte verursachen.

 

Wie gebe ich das Thyroxin ( Forthyron) ?

 

Es gibt zwei Formen von Thyroxin für Hunde.

Forthyron in 200ug- und 400ug-Tabletten und Leventa, ein flüssiges Thyroxin.

 

Normalerweise bekommt man vom Tierarzt die Forthyron-Tabletten. Einige Tierärzte verschreiben auch noch die Tabletten L-Thyroxin oder Euthrox. Dies sind Menschenmedikamente, mit denen sich niedrige Dosierungen leichter einteilen lassen.

 

Die Tabletten werden in der Regel 2x täglich gegeben, tagsüber im Abstand von 10-12 Stunden.

 

Zwischen Tablettengaben und Fütterung sollte mindestens 30 Minuten liegen. Man kann die Tabletten auch mit dem Futter geben, aber dann kann es sein, dass eine höhere Dosis benötigt wird.

 

Welche Dosierung braucht mein Hund ?

 

Diese Frage läßt sich nicht allgemein beantworten, sondern nur für jeden Hund einzeln.

Früher ist man davon ausgegangen, dass ein Hund mit max. 20ug/kg Körpergewicht gut eingestellt ist.

2oug/kg bei einem 30 kg Hund würde eine Dosis von 600 ug bedeuten, also 2x300 ug pro Tag. Damit kommen viele Hunde aber noch nicht gut klar. Sie brauchen. mehr. Einige wiederum brauchen weniger.

 

Man beginnt mit 2,5 oder 5 ug/kg Körpergewicht und steigert dann alle 10-14 Tage um 2,5 bzw. 5 ug/Körpergewicht.

Bei 30 kg Hund würde man bei 5 ug/kg eine Anfangsdosis von 150 ug geben. Aufgrund des Tabletteninhaltes wäre eine Anfangsdosis von 200 ug leichter zu dosieren. Die meisten Hunde mit 30 kg Gewicht  vertragen 2x100 ug ohne Probleme als Anfangsdosis.

 

Über die Maximal-Dosis gehen die Meinungen auseinander. Früher wurde von 20ug/kg Körpergewicht als Maximaldosis ausgegangen, nach meinen Infos von einer SD -Spezialistin gibt es aber Hunde, die bis 80 ug/kg Körpergewicht brauchen und auch problemlos  vertragen ohne Überdosierungserscheinungen.

 

Wann die "Wohlfühldosis" des Hundes erreicht ist, kann man nur durch beobachten von Fell und Allgemeinbefinden, sowie dem Verhalten des Hundes feststellen. Hierbei kann ein Tagebuch, indem die Dosis  und alle wichtigen Daten ( Fellqualität, Ohrenentzündung, abnormaler Kot, Veränderung der Futterzusammenstellung, usw. ) und Ereignisse ( besseres/ schlechteres  Verhalten, besser/schlechtere Ansprechbarkeit im Training, usw. ) notiert werden, von grossem Wert sein.

 

Bei Dosiserhöhung erst die Morgendosis erhöhen, die Abenddosis belassen. Am nächsten Tag dann auch die Abenddosis erhöhen.

 

Viele Hunde brauchen morgens eine höhere Dosis als abends . Das  muss man durch beobachten rausfinden. Ist der Hund nachts ungewöhnlich unruhig, sollte man einen Dosierungsschritt bei der ABenddosis zurückgehen.

 

Manche Hunde kommen besser mit einer dreimaligen Thyroxin - Gabe klar. Dass muss man im Einzelfall einfach ausprobieren. Die Dosis wird ann schrittweise verändert, indem man z.B. von der Abenddosis eine Teil auf mittags gibt.

 

Woran merke ich, dass mein Hund zuviel Thyroxin bekommt ?

 

Anzeichen für eine Überdosierung sind:

 

- starkes Hecheln in Ruhesituationen

- Herzrasen (schneller Pulsschlag )

- Durchfall ohne sonstigen grund über längere Zeit

- vermehrter Harndrang ( mehr urinieren als sonst )

- speicheln

 

Außerdem: Deutliche Verhaltensveränderungen. Hierbei gilt es allerdings genau zu beobachten und zu dokumentieren, da z.B. negative Verhaltensveränderungen auch ein Anzeichen dafür sein können, dass die Thyroxin-Dosis nicht ausreicht.

Eine einmaige Überdosierung ist meistens unkritisch. Der Hund verstoffwechselt das Thyroxin viel schneller als ein Mensch und nach wenigen Stunden legt sich das Hecheln und/oder Herzrasen. Beim Hund geht man von einer Halbwertszeit des Thyroxins von ca. 12 Stunden aus, beim Menschen von 6-8 Tagen.

 

Hunde können als Fleischfresser auch viel größere Dosis-Schwankungen unproblematischer überstehen, als Menschen.

  

Quelle: Claudia Müning, www.claudiaspike.de

Danke für Deine Arbeit, Claudia :-)

 

 

Weiterführende Infos zur Hypothyreose finden Sie hier:

 

Buch "Schilddrüse und Verhalten" von Beate Zimmermann

Buch "The Canine Thyroid Epidemic: Answers You Need for Your Dog" von Jean Dodds

Yorkie-Forum - Infobereich

Artikel von Jean Dodds - ins Deutsche übersetzt - Quelle

Buch "Endokrinologische Diagnostik" von Pascal Prélaud, Dan Rosenberg, Pauline de Fornel, Alexander Gerold, Astrid Thelen

Buch "Innere Medizin der Kleintiere" von Richard W. Nelson, C. Guillermo Couto

Schilddrüsenwerte und Cholesterolparameter bei Hunden mit Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen - Dissertation Kristine von Thun

Subclinical hypothyroidism and cardiovascular disease

Artikel von J. Dodds

Thyroid and Seizure

Untersuchung der Aussagekraft des TRH-Stimulationsstests zur Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

 

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